Locken

Meine Mutter war es gewohnt, jeden Samstag Vormittag zum Friseur zu gehen. Das geht bekanntlich seit geraumer Zeit nicht mehr. Nun habe ich die Aufgabe der Friseurin übernommen. Jeden Samstag mache ich meiner Mutter die Haare. Diese Zeit ist für mich eine absolute Bereicherung. Ein Geschenk. So wie beim Friseur sprechen wir über dies und das. Es macht Spaß zu sehen, wie ich von Mal zu Mal die Lockenwickler besser beherrsche. Mit dem Resultat waren wir beide eigentlich immer zufrieden. Es ist mehr als nur Haare eindrehen. Es geht um Nähe, füreinander sorgen, zurückgeben, was man selbst vielfach bekommen hat, Austausch, uvm.  Sollten die Friseure jemals wieder öffnen, dann werde ich diese gemeinsame Zeit vermissen. Meine Mutter wird wohl wieder den Friseur bevorzugen. So gut war ich dann wohl doch nicht .

 

Die Quintessenz für mich: Natürlich bin ich genervt vom ständigen Lockdown. Aber auch hier gilt, dass ein Perspektivenwechsel manchmal hilft. Und ich richte den Blick auf das, was ich durch diese Zeit alles gewonnen habe an Erkenntnissen und Einsichten. Und wie gut manchmal einfach Stille tut.