Der Flieder ist für mich mehr als eine Pflanze ...
Beim U-Bahnabgang Hainburgerstraße blühte jedes Jahr zur selben Zeit ein violetter Fliederbusch. Ich hätte den Frühling nicht mitbekommen, hätte nicht dieser intensive Duft für kurze Zeit meine Nase berührt und freudig erregt. Meist habe ich ihn zu spät wahrgenommen, ihn nicht voll auskosten können.
Ich hastete durchs Leben und verbrachte unzählige Stunden vor staubigen Akten in klimatisierten Büroräumlichkeiten. Den heißesten Sommer kannte ich nur vom Hören - Sagen.
Ich war traurig. So gerne wollte ich die Jahreszeiten mitbekommen, der Natur beim Wachsen zusehen und deren Schönheit bewundern. Aber die meisten von uns wurden auf Leistung gedrillt. Auf funktionieren. Auf besser nicht hinterfragen. So ich auch.
Tja und irgendwann war d i e s e Frage in mir, die immer lauter wurde, so laut, dass ich sie irgendwann nicht mehr überhören konnte.
War das alles? Hat das Leben nicht mehr zu bieten?
Und es hat tatsächlich viel zu bieten, wenn man mutig genug ist, ausgetretene Pfade zu verlassen. Wenn man der eigenen inneren Stimme vertraut und ihr folgt.
Der Flieder wächst jetzt in großer Vielfalt in meinem Garten und auch vor meinem Fenster. Ich sehe ihn, rieche ihn, befülle Räume damit.
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